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© Andreas Duscha
Clemens Berger
Auf den Punkt gestreichelt

Dem gebürtigen Burgenländer gelingt es bereits mit seinem Debüt Der gehängte Mönch (Erzählungen 2003) bei der Literaturkritik mehr als nur geneigtes Wohlwollen zu erzielen: von launischen Kommentaren zum Handlungsverlauf, dem Spiel mit Variationen im Erzählen und demonstrativer Bescheidenheit ist u. a. die Rede, von Qualitäten und besonderen Kennzeichen, mit denen der Autor seine LeserInnenschaft scheinbar mühelos in seine narrativen Kurz- und Kürzestpretiosen verwickelt.

Im Zweijahresrhythmus folgen vier weitere Titel. Im vergangenen Jahr bringt er ein wunderbares Masterpiece heraus: Das Streichelinstitut (Wallstein Verlag). Zu diesem Band merkt Jan Wiele in der FAZ (online-Ausgabe) an: "Die Leistung Bergers besteht darin, die zunächst grotesk anmutende Handlung mit so viel realistischer Problematik des Liebes- wie des Arbeitslebens zu umgeben, dass man ständig zwischen Freude über so viele gute Einfälle und Rührung durch die erzählte Geschichte schwankt."

»Neben das Fenster stellte ich meine Stereoanlage, zwei Boxen standen in entgegengesetzten Ecken, an die Wand war ein dunkelgrünes Sofa gerückt, das mir ein Freund geschenkt hatte, der nach Neapel gezogen war. Für die Wände wollte ich mir noch etwas einfallen lassen, als ich vor einem Café an der Burggasse die erste Anzeige formulierte. Fehlen Ihnen Nähe, Zärtlichkeit, sanfte Berührung? Severin streichelt in der Mondscheingasse. Einheiten im Fünfundvierzigminutentakt. Keine Berührungen unter der Gürtellinie. Streichelinstitut Caress_caress. www.streichelinstitut.com, severin@streichelinstitut.com, Telefonnummer.«

Teilnahme an Literatur & Wein: 2009, 2011, 2013